Weicht ein Motorradfahrer zur Vermeidung eines Zusammenstoßes einem ihm die Vorfahrt nehmenden Fahrradfahrer aus, handelt es sich um eine den Arbeitsunfallversicherungsschutz begründende Rettungshandlung, entschied das Sozialgericht Dortmund (Az. S 17 U 955/14).

Im vorliegenden Fall nahm ein Fahrradfahrer einem 53-jährigen Motorradfahrer bei einer privaten Fahrt die Vorfahrt. Bei dem folgenden Ausweichvorgang stürzte der Motorradfahrer und zog sich u. a. Verletzungen der Schultergelenke zu. Die Unfallkasse lehnte es ab, dieses Ereignis als entschädigungspflichtigen Arbeitsunfall anzuerkennen, da angesichts der kurzen Reaktionszeit und der hohen Verletzungsgefahr für den Motorradfahrer selbst keine Rettungsabsicht festgestellt werden könne. Der Motorradfahrer erhob daraufhin Klage.

Das SG Dortmund verurteilte die Unfallkasse, das Unfallereignis als Arbeitsunfall anzuerkennen, denn der Unfallversicherungsschutz bestehe für Personen, die bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfe leisteten oder einen anderen aus erheblicher gegenwärtiger Gefahr für seine Gesundheit retteten. Dieser Tatbestand sei im Streitfall erfüllt, denn der Kläger habe, indem er seinem potenziellen Unfallgegner ausgewichen sei, diesen aus erheblicher Gefahr für dessen Gesundheit gerettet. Des Weiteren sei auch eine spontane, ohne intensive Überlegung verrichtete Rettungstat wie ein Ausweichmanöver im Straßenverkehr versichert.