Die sog. vielfache Chemikalienunverträglichkeit “MCS” (multiple chemical sensitivity syndrom) kann keiner der anerkannten Berufskrankheiten zugeordnet werden. Sie erfüllt auch nicht die Voraussetzungen für die Anerkennung “wie eine Berufskrankheit”. Das entschied das Sozialgericht Mainz (Az. S 10 U 130/14).

Ein Außendienstmonteur erhielt einen Neuwagen als Dienstfahrzeug. Etwa vier Wochen nach Nutzung des Fahrzeuges bekam er gesundheitliche Beschwerden u. a. in Form von Würgereiz, Magen- und Darmproblemen, Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Erinnerungslücken und Atembeschwerden. Nach ca. einem Jahr entschied sein Arbeitgeber, das neue Auto nicht weiter zu nutzen, auch weil der Kläger einen Autounfall auf Vergiftungserscheinungen nach einem längeren Aufenthalt in dem Fahrzeug zurückführte. Der Arbeitnehmer beantragte bei der beklagten Berufsgenossenschaft, zu ermitteln, ob bei ihm eine Berufskrankheit anzuerkennen sei. Die Berufsgenossenschaft lehnte die Anerkennung einer MCS-Erkrankung als Berufskrankheit ab. Die Voraussetzungen für die Anerkennung lägen nicht vor, da es hinsichtlich des MCS keine ausreichenden Erkenntnisse gebe. Es fehle bereits an einer einheitlichen Definition des Syndroms. Darüber hinaus sei offen, ob und welche Einwirkungen ein MCS verursachen könnte.

Das SG Mainz vertrat die Auffassung, MCS könne keiner bekannten Berufskrankheit zugeordnet und auch nicht wie eine solche behandelt werden. Es gebe keine Erkenntnisse darüber, dass Einwirkungen durch Ausdünstungen von Neuwagen geeignet seien, die beim Kläger bestehenden Gesundheitsstörungen zu verursachen. Dies entspreche dem aktuellen wissenschaftlichen Stand.