Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg wies darauf hin, dass ein Gericht bei der Einschätzung eines Grades der Behinderung (GdB) nicht unbedingt an die Vorgaben eines Sachverständigengutachtens gebunden ist. Es sei durchaus zulässig, bei einem kleinwüchsigen Jungen einen GdB von 80 festzustellen, auch wenn ein Sachverständiger einen geringeren Grad angenommen habe (Az. L 13 SB 103/14). Das Urteil wurde vom Bundessozialgericht bestätigt (Az. B 9 SB 81/15 B).

Im vorliegenden Fall sollte für einen elfjährigen kleinwüchsigen Jungen ein GdB von 80 statt des bisherigen Werts von 50 festgestellt werden. Die Behörde lehnte dies jedoch ab. Bei der Klage vor dem Landessozialgericht stellte ein Sachverständiger einen GdB von 70 fest. Die Behörde erkannte diese Einschätzung an. Die gesetzlichen Vertreter des Jungen hielten jedoch an dem beantragten GdB von 80 fest.

Das Gericht gab den Klägern Recht. Es sei bei seiner Entscheidung nicht an die Feststellungen des Sachverständigen gebunden. Nach dessen Ausführungen sei der Junge im Vergleich zu seinen nicht behinderten Altersgenossen in seinem Gehvermögen und seiner Mobilität besonders eingeschränkt. Das Gericht vertrat die Auffassung, die Funktionsstörung an den unteren Gliedmaßen lasse demzufolge sogar einen GdB von 80 zu.