Ein schwerbehinderter Mann, der ausgebildeter Zentralheizungs- und Lüftungsbauer sowie staatlich geprüfter Umweltschutztechniker im Fachbereich “Alternative Energien” ist, bewarb sich auf eine Stelle bei der beklagten Stadt. Diese suchte einen “Techn. Angestellte/n”. In der Stellenausschreibung hieß es u. a.: “Wir erwarten: Dipl.Ing. (FH) oder staatl. gepr. Techniker/in oder Meister/in im Gewerk Heizungs/Sanitär-/Elektrotechnik oder vergleichbare Qualifikation; …”. Der Schwerbehinderte fügte seinem Bewerbungsschreiben einen ausführlichen Lebenslauf bei. Die beklagte Stadt lud ihn jedoch nicht zu einem Vorstellungsgespräch ein und entschied sich für einen anderen Bewerber.

Daraufhin verlangte der Kläger von der beklagten Stadt die Zahlung einer Entschädigung nach dem Antidiskriminierungsgesetz. Die Stadt habe ihn wegen seiner Schwerbehinderung diskriminiert. Sie sei ihrer Verpflichtung nach § 82 SGB IX, ihn zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, nicht nachgekommen. Bereits dieser Umstand begründe die Vermutung, dass er wegen seiner Schwerbehinderung diskriminiert worden sei. Das Arbeitsgericht hatte dem Kläger Recht gegeben und verurteilte die beklagte Stadt zu einer Entschädigung i. H. v. drei Bruttomonatsverdiensten. In der Berufung änderte das Landesarbeitsgericht das Urteil und reduzierte die Entschädigungssumme auf einen Bruttomonatsverdienst.

Auch vor dem Bundesarbeitsgericht bekam der Kläger Recht (Az. 8 AZR 375/15). Die beklagte Stadt habe dadurch, dass sie den Kläger nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen habe, die Vermutung begründet, dass er wegen seiner Schwerbehinderung aus dem Auswahlverfahren vorzeitig ausgeschieden und dadurch benachteiligt wurde. Auf der Grundlage der Angaben des Klägers in seiner Bewerbung durfte sie nicht davon ausgehen, dass diesem die erforderliche fachliche Eignung offensichtlich fehlte. Das Urteil der zweiten Instanz sei nicht zu beanstanden.