Das Landessozialgericht Baden-Württemberg entschied, dass derjenige, der bei einer Schießerei lediglich anwesend ist, ohne Hilfe zu leisten, keinen Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung hat (Az. L 3 U 2102/14).

Polizisten erschossen auf dem Marktplatz einer Altstadt beim Versuch einer Festnahme einen mit einem größeren Messer bewaffneten Mann, der kurz zuvor zwei Frauen in einem Café angegriffen hatte. Einer von mehreren Zeugen wandte sich danach an die Unfallkasse und beanspruchte Leistungen. Der Mann gab an, er habe mitgeholfen, den Täter zu verfolgen und andere Passanten zu warnen und habe dann den Schusswechsel beobachten müssen. Er legte ein ärztliches Attest vor, in dem der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung aufgrund des Vorfalls geäußert wurde. Die Unfallkasse lehnte die Anerkennung eines Versicherungsfalles ab.

Das LSG gab der Unfallkasse Recht. Hilfeleistung stehe zwar unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Vorliegend habe die Auswertung der Ermittlungsakten jedoch ergeben, dass der Zeuge selbst keinen aktiven Beitrag erbracht habe, sondern lediglich zusammen mit mehreren Personen dem Täter hinterher gelaufen sei, ohne ihn aktiv zu verfolgen, während andere Zeugen dagegen den Täter aktiv verfolgt und Passanten aus dem Gefahrenbereich verbracht hätten. Nachgewiesen sei lediglich, dass der Mann sich in etwa 20m Abstand zu den Vorgängen befunden habe. In den Akten der Staatsanwaltschaft sei der Kläger nur einmal kurz erwähnt. Aktive Handlungen von ihm zugunsten anderer Personen seien somit nicht nachgewiesen.