Das Landesarbeitsgericht München entschied, dass eine Arbeitgeberin knapp 50.000 Euro an Vergütung, Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen für eine frühere Arbeitnehmerin nachzahlen muss (Az. 3 Sa 23/13).

Die Frau war ursprünglich als Praktikantin eingestellt worden, hatte aber insgesamt mehr als fünf Jahre lang und 43 Stunden pro Woche für ein Monatsgehalt von nur 300 Euro gearbeitet. Sie arbeitete zu den in einem Praktikumsvertrag ausgehandelten Konditionen zur Ausbildung zur Finanzfachwirtin von September 2009 bis März 2015. Nachträglich forderte sie dann eine Vergütung von 8,50 Euro pro Stunde.

Die Gerichte gaben der Arbeitnehmerin in erster und zweiter Instanz Recht. Die Nachzahlung des Mindestlohns sei gerechtfertigt. Zwischen den Parteien habe ein Arbeitsverhältnis bestanden. Eine Ausbildung fand ganz überwiegend nicht statt. Vielmehr habe die Frau wie andere Arbeitnehmer Arbeitsleistungen erbracht, die auch als solche zu vergüten seien. Daran ändere die unzutreffende Bezeichnung als “Praktikumsvertrag” nichts. Die tatsächliche Durchführung des Vertrages habe nicht dem Praktikumszweck gedient.