Umkleidezeiten gehören zur Arbeitszeit, wenn das Tragen von Arbeitskleidung Pflicht ist und diese erst im Betrieb angelegt werden darf. Das Hessische Landesarbeitsgericht hat nun entschieden, dass ein Arbeitgeber, der nicht vorgeschrieben hatte, die betriebliche Umkleidestelle zu nutzen, auch für die Umkleidezeit und die deswegen erforderlichen Wege zahlen muss. Dies gelte insbesondere dann, wenn die Arbeitskleidung stark verschmutzt werde und auffällig sei (Az. 16 Sa 494/15).

Im vorliegenden Fall hatte ein Mitarbeiter eines Müllheizkraftwerks die Pflicht zum Tragen von Schutzkleidung. Die notwendige Arbeitskleidung wurde regelmäßig erheblich verschmutzt.

Das Gericht vertrat die Auffassung, dass ihm die Zeiten, die für das An- und Ausziehen der Arbeitskleidung auf dem Werksgelände und den Weg zwischen Umkleidestelle und Arbeitsplatz anfallen, als Arbeitszeit vergütet werden müssen. Es sei ihm aus hygienischen Gründen nicht zuzumuten, den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz in dieser Kleidung zurückzulegen (weder im eigenen Pkw, noch in öffentlichen Verkehrsmitteln). Selbst wenn der Arbeitgeber es nicht vorgeschrieben habe, könne die Arbeitskleidung daher faktisch nur im Betrieb an- und ausgezogen werden. Außerdem sei das Firmenemblem sehr auffällig gewesen und auch deswegen für den Mitarbeiter nicht zumutbar, den Weg zur Arbeit in dieser Kleidung zurückzulegen.