Eine in einer Gaststätte beschäftigte Arbeitnehmerin bemerkte während der Arbeit, dass ihr Schlüsselbund fehlte. Sie wollte daher den Ersatzschlüssel zuhause holen, da sie ihren Autoschlüssel benötigte, um Lebensmitteileinkäufe für ihren Arbeitgeber zu erledigen. Sie versuchte, durch ein angelehntes Fenster in die verschlossene Wohnung einzusteigen, um eine Beschädigung der Haustür durch den Schlüsseldienst zu vermeiden, stürzte dabei jedoch ab und erlitt einen Lendenwirbelbruch. Wegen der Spätfolgen wurde ihr eine Rente wegen Erwerbsminderung zuerkannt. Die Berufsgenossenschaft lehnte jedoch einen Antrag auf Entschädigungsleistungen ab. Es handle sich nicht um einen Arbeitsunfall. Der Unfall habe nichts mit der beruflichen Tätigkeit zu tun.

Das LSG Baden-Württemberg (Az. L 3 U 3922/15) gab – wie schon die Vorinstanz – der Berufsgenossenschaft Recht. Dadurch dass der Arbeitgeber das Holen des Ersatzschlüsselbundes verlangt habe, um betrieblich veranlasste Lebensmitteleinkäufe für die Gaststätte mit dem Auto der Klägerin zu tätigen, sei zwar ein betrieblicher Zusammenhang gegeben. Das Einsteigen durch das Schlafzimmerfenster ließe jedoch eine privat-wirtschaftliche Handlungstendenz von überragender Bedeutung erkennen. Es hätten nicht betriebliche Erfordernisse, sondern das Vermeiden von Beschädigungen der Wohnungstür infolge Auffräsens durch den Schlüsseldienst im Vordergrund gestanden.