Das Landessozialgericht Baden-Württemberg entschied, dass eine tätliche Auseinandersetzung im Zuge einer Nachbarschaftsstreitigkeit auch dann keinen Versicherungsfall im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung auslöst, wenn sich das Geschehen während einer beruflichen Tätigkeit abgespielt hat (Az. L 6 U 3639/16).

Im vorliegenden Fall war ein 78-jähriger Landwirt bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau gesetzlich unfallversichert. Er beantragte Versicherungsleistungen wegen eines Arbeitsunfalls. Sein Nachbar habe ihn im Wald angegriffen und mit einem Messer einen Nervenstrang des rechten Unterarms durchtrennt. Aus den Ermittlungsakten von Polizei und Staatsanwaltschaft ergab sich ein widersprüchliches Bild. Dort hatte der Mann angegeben, sein Nachbar habe ihn auf dem Feld angegriffen und den linken Arm verletzt. Der Nachbar bestritt die Vorwürfe und erstattete Anzeige gegen den Kläger wegen falscher Verdächtigung. Er gab an, der Mann habe in Wirklichkeit ihn angegriffen und habe ihn mit einem Zaunpfahl schlagen wollen. Bei der Abwehr des Angriffs sei dieser dann gestürzt. Die Staatsanwaltschaft stellte das Ermittlungsverfahren gegen den Nachbarn ein.

Die Klage des Landwirts gegen die Sozialversicherung wurde in erster und zweiter Instanz abgewiesen. Der Kläger habe keinen Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung: Ein Versicherungsfall im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung liege nur vor, wenn die berufliche Tätigkeit Ursache für einen eingetretenen Gesundheitsschaden sei. Der behauptete tätliche Angriff während einer beruflichen Tätigkeit habe sich nicht nachweisen lassen. Darauf komme es aber ohnehin nicht an, denn der angebliche Angriff wäre nach den Erkenntnissen des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens allein auf einen jahrelangen Nachbarschaftsstreit zurückzuführen. Dieser stehe damit generell nicht in Zusammenhang mit der Berufstätigkeit des Klägers.