Das Sozialgericht Karlsruhe entschied, dass eine Schwerbehinderteneigenschaft bei einem an Diabetes erkrankten Menschen nur dann zuerkannt werden kann, wenn es durch die Krankheit zu gravierenden Beeinträchtigungen in der Lebensführung kommt (Az. S 3 SB 3457/14).

Im vorliegenden Fall hatte das beklagte Landesversorgungsamt bei der 1997 geborenen Klägerin wegen der Notwendigkeit eines erheblichen Therapieaufwandes (mindestens sechs Mal täglich Blutzuckermessung mit jeweils situationsbedingter Anpassung der Insulingabe) einen Grad der Behinderung von 40 festgestellt. Die Klägerin machte geltend, ihr sei ein Grad der Behinderung von mindestens 50 zuzuerkennen, weil ihre Erkrankung schon allein wegen des zeitlichen Aufwands für die Therapien zu erheblichen Einschränkungen in allen Lebenslagen, insbesondere in der Schule, Freizeit und bei der Berufswahl führe.

Das SG Karlsruhe ist dieser Auffassung nicht gefolgt und wies die Klage ab. Nach den versorgungsmedizinischen Grundsätzen setze die Schwerbehinderteneigenschaft voraus, dass die an Diabetes erkrankten Menschen zusätzlich zur Insulintherapie durch erhebliche Einschnitte gravierend in der Lebensführung beeinträchtigt seien (z. B. durch Besonderheiten der Diabetes-Therapie oder wegen eines unzureichenden Therapieerfolgs). Eine zusätzliche, d. h. über die mit der Insulintherapie und der Krankheit an sich verbundenen Nachteile hinausgehende ausgeprägte Teilhabebeeinträchtigung sei bei der Klägerin nicht erkennbar, weil die behandelnden Ärzte eine gute Blutzuckereinstellung ohne Komplikationen bestätigt haben. Des Weiteren sei auch der von der Klägerin behauptete (zukünftige) Nachteil auf dem Arbeitsmarkt als Diabetikerin bei der GdB-Bemessung nicht zu berücksichtigen.